15. März bis 10. Juni 2012
Veranstalter
Berliner Festspiele und Martin-Gropius-Bau.
Eine Ausstellung des Getty Research Institute und des J. Paul Getty
Museum Los Angeles in Verbindung mit dem Martin-Gropius-Bau Berlin.
Ermöglicht durch The Getty Foundation Los Angeles.
Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds Berlin.
Unterstützt von der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika.
Kuratoren
Andrew Perchuk, Deputy Director, Getty Research Institute, Rani Singh,
Senior Research Associate of the Getty Research Institute’s Department
of Architecture and Contemporary Art, und John Tain, Assistant Curator
of Modern and Contemporary Collections, Getty Research Institute.
Das Ausstellungsprojekt „Pacific Standard Time – Kunst in Los Angeles
1950-1980“ zeigt Entwicklungsprozesse der Kunstszene im Los Angeles der
Nachkriegszeit. Die Stadt am Pazifik zeigt eine beeindruckend
vielfältige und äußerst agile West-Coast-Kunstszene. Sie belegt damit,
dass sie mehr ist als Hollywood und eine große Stadt im Land der Sonne
und der Palmen. „Pacific Standard Time“ lenkt den Blick auf
international vielbeachtete Künstler wie John Baldessari, David Hockney,
Edward Kienholz oder Ed Ruscha als auch auf weniger bekannte
Protagonisten wie die abstrakten Maler Helen Lundeberg und Karl
Benjamin, Keramiker wie Ken Price oder John Mason oder Bildhauer wie De
Wain Valentine.
Die Megaschau – in Los Angeles waren über 60
Institutionen und Galerien beteiligt – kommt mit den beiden wichtigsten
Kernausstellungen des Getty Museum und Getty Research Institute nach
Europa. Einzige europäische Station ist der Martin-Gropius-Bau in
Berlin.
Jener Ausstellungsteil, der in Los Angeles im
Getty-Museum unter dem Titel „Crosscurrents in L.A. - Painting and
Sculpture 1950-1970“ zu sehen war, präsentiert Malerei und Skulptur. Im
zweiten Teil, in Los Angeles zu sehen unter dem Titel „Greetings from
L.A. – Artists and Publics 1950-1980“, werden Poster, Künstlerkataloge,
Postkarten, Einladungskarten, und andere Memorabilia gezeigt, die einen
tieferen Einblick in die Netzwerke der Kunstszene jener Zeit in Los
Angeles erlauben. Für Berlin wird die Schau um Fotografien von Julius
Shulman ergänzt. Seine Architekturaufnahmen prägten in den 1950 Jahren
entscheidend das Bild des kalifornischen Lebensstils. Seine
Sensibilität, sein intuitiver und unvergleichlicher Sinn für Komposition
und den „entscheidenden Augenblick“ brachten ihm den Ruf eines Meisters
seines Faches ein.

Erster Teil: Gegenströmungen
Der
erste Teil der Berliner Schau vereint mehr als 70 Werke von über 50
Künstlern. Er zeichnet den Aufstieg der südkalifornischen Kunstszene
zwischen 1945 und 1980 nach. Die Namensliste liest sich wie das
Who-is-who der heute international vielbeachteten Künstler. Künstler wie
John Baldessari, David Hockney, Edward Kienholz, Bruce Nauman oder Ed
Ruscha begannen dort ihre Karriere.
Das Entrée in die pazifische
Zeitzone beginnt mit der Ikone „A Bigger Splash“ des Briten David
Hockney aus dem Jahr 1967. Es ist eines der Schlüsselbilder der
Ausstellung und steht für ein hedonistisches Leben unter Palmen bei
ewigem Sonnenschein und Parties.
Die Ausstellung ist sowohl
chronologisch als auch thematisch aufgebaut und umfasst sechs
Abteilungen, die das gesamte Spektrum der in Los Angeles simultan
vorkommenden Kunstrichtungen widerspiegeln. Abstrakte Arbeiten –
Keramik-Skulpturen und nüchtern-klare Gemälde – sind in der ersten
Abteilung zu sehen. Die zweite zeigt Assemblage-Plastiken und Collagen
von Künstlern wie George Herms, Wallace Berman und Ed Bereal, die diesen
künstlerischen Ansatz in den 1950er Jahren den Weg bereitet haben, und
ihren Nachfolgern darunter viele afro-amerikanischen Künstler. Die
dritte Abteilung belegt den Aufstieg von Los Angeles zu einem wichtigen
Kunstzentrum, die vierte zeigt Gemälde von heute weltweit anerkannten
Künstlern aus Los Angeles, wie Richard Diebenkorn, David Hockney und Ed
Ruscha. Hier wird deutlich, dass Südkalifornien schon in den 1960er
Jahren eines der führenden Zentren für großformatige Popkunst und
abstrakte Malerei war. Der fünfte Bereich untersucht, wie Künstler in
einer Zeit, da Malerei an der Atlantikküste der USA zunehmend an
Bedeutung gewann, begannen, ihre Vorstellungen von traditioneller
Malerei und Plastik zu erweitern. Wahrnehmungsphänomene und materielle
Prozesse künstlerischer Produktion rücken in den Vordergrund. Hier
finden sich auch Werke, die aus dem Aufeinandertreffen von Kunst und
Technik entstanden. So etwa eine Plastik von De Wain Valentine, der
Industriematerial wie Polyestergussharz verwendet oder eine Leinwand von
Mary Corse, in die kleinste, hochgradig reflektierende Glaskugeln
eingearbeitet sind. Vorgestellt wird auch eine Gruppe von Künstlern,
deren Arbeiten Spuren ihrer Entstehung zeigen, wie von Joe Goode, Allan
McCollum und Ed Moses, eine Gussharzarbeit von Peter Alexander oder eine
Glasfaserskulptur von Bruce Nauman.


Als Berliner Erweiterung der
Getty Ausstellung wird der frühen internationalen Wahrnehmung der Kunst
in Los Angeles ein eigener Raum gewidmet. Gezeigt werden die Arbeiten
„Berlin Red“ von Sam Francis, ein 8 x 12 Meter großes von der Neuen
Nationalgalerie 1969 in Auf-trag gegebenes Werk, und „Volksempfänger“
von Edward Kienholz. Als DAAD Stipendiat lebte Edward Kienholz von 1973
an oft in Berlin.
Eine weitere Besonderheit bilden verschiedene
Rauminstallationen, darunter „Stuck Red and Stuck Blue“ von James
Turrell und „Four Corner Piece“ von Bruce Nauman. 1966 begann Turrell
mit der Arbeit an „Lichträumen“. In der 1970 geschaffenen und im
Martin-Gropius-Bau zu sehenden Arbeit nutzt er Licht zur Entgrenzung und
Verwandlung von Raumstrukturen. Eine besondere Raumerfahrung im Spiel
um physische Information versus visuelle Informa-tion schafft Bruce
Nauman in „Four Corner Piece“ von 1971.
Zweiter Teil: Grüße aus L. A.
Im
zweiten Teil der Ausstellung, erarbeitet vom Getty Research Institute,
zeigt der Martin-Gropius-Bau über 200 Objekte – Fotografien,
Künstlerkataloge, Bücher, Poster, Postkarten, Einladungen, Briefe,
Kunstwerke, von denen viele zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.
Veranschaulicht wird wie kalifornische Künstler durch Einbeziehung eines
breiten Publikums Kunst und öffentliches Leben aufeinander bezogen.
Auch wird aufgezeigt, mit welcher Intensität die internationalen
Netzwerke der Künstlergruppen funktionierten.
„Greetings from
L.A.“ beginnt mit „Making the Scene“ und beschreibt die Galerienszene in
Los Angeles von den 1950er Jahren bis in die 1970er. Kunsthändler und
Sammler werden vorgestellt, wie sie sich zum Beispiel am Le Cienega
Boulevard zusammengefunden haben – Rolf Nelson, Riko Mizuno und Betty
Asher. Auf diesem Boulevard, der den von Ed Ruscha verewigten Sunset
Boulevard kreuzt, wurde der Ruf von Los Angeles als Stadt der modernen
und zeitgenössischen Kunst mit begründet.
„Public Disturbances“
(Politische Störungen), die zweite Abteilung der Schau, ist drei
wichtigen Ausstellungen gewidmet, die zu heftiger Kritik und sogar zu
Verhaftungen führten. Die Ausstellung von Wallace Berman in der Ferus
Gallery von 1957 wurde von der Polizei geschlossen. Heftige Kontroversen
gab es über die Ausstellung „War Babies“ (1961) in der Huysman Gallery.
Intensiv waren die Auseinandersetzungen zwischen dem Los Angeles County
Museum of Art (LACMA) und dem Los Angeles County Board of Supervisors
über die Einbeziehung von Kienholz’ Installation „Back Seat Dodge '38“
(1964) in seine große Retrospektive 1966.
Der Ausstellungsteil
„Private Assembly“ (Private Ansammlungen), konzentriert sich auf die von
Wallace Berman, George Herms, Charles Brittin und ihrem Zirkel in den
1950er und 1960er Jahren geschaffenen Werke. Die Intimität dieser
Objekte erklärt sich nicht nur aus den unverwechselbaren Spuren der
künstlerischen Handschrift, die sie tragen, sondern auch daraus, dass
sie nur einem ausgewählten, nicht-öffentlichen Publikum zugänglich
waren. Vorrangig außerhalb des kommerziellen Galeriebetriebs tätig,
konzentrierte diese Gruppe von Assemblage-Künstlern ihre Energie auf
private Kunstwerke, die sie als Zeichen der Freundschaft persönlich
überreichten oder per Post zusandten.
Die vierte Abteilung „Mass
Media“ stellt Künstler vor, die als Modell für ihre eigene künstlerische
Praxis eher Massenmedien wählten. Ed Ruscha, Allen Ruppersberg und
Chris Burden beschäftigten sich mit der Populärkultur und der
Massenproduktion als alternative Produktions- und Distributionsmittel.
Sie verwendeten unpersönliche Formen, wie z.B. kommerziell produzierte
und als Konsumgüter verkaufte Objekte oder Werbemittel. Unter Umgehung
konventioneller Ausstellungsräume erreichten diese Künstler ein neues
Publikum. Sie traten häufig anonym auf, wodurch die Identität von
Künstler und Werk sekundär wurde.
„Art School as Audience“
(Kunstschule als Publikum), der fünfte Abschnitt der Ausstellung,
beleuchtet die wichtige Rolle der Kunstschulen in der Entwicklung
zeitgenössischer Kunstformen. Sie dienten als ruhende Pole. Dort waren
Künstler, das Publikum anderer Künstlerkollegen. CalArts und deren
Vorgänger, das Chouinard Art Institute, waren zentrale Orte wichtiger
Künstlergruppen, wie es an den Arbeiten von Studenten wie Ed Ruscha und
Joe Goode und von Lehrern wie John Baldessari, Miriam Schapiro und Judy
Chicago erkennbar ist. Andere wichtige Foren waren neue Fakultäten für
Kunst, die an Hochschulen und Universitäten im County Los Angeles
entstanden. Besonders auf dem Campus von Irvine oder San Diego fand sich
ein stimulierendes Publikum für die Experimente von Künstlern wie
Martha Rosler, Barbara Smith und Eleanor Antin.
Die letzte
Abteilung, „The Art of Protest“ (Die Kunst des Protests), untersucht,
wie gesellschaftliche und politische Entwicklungen die Künstler
mobilisierten, ihre Arbeiten auf der Straße zu zeigen. In den 60er
Jahren wurde Los Angeles Schauplatz der ersten von Künstlern angeführten
Proteste gegen den Vietnamkrieg. Daraus entstand 1966, noch vor der
Entstehung der Galerienstraße am La Cienega Boulevard, ein Peace Tower
(Turm des Friedens). Im folgenden Jahrzehnt war es der Feminismus, der
viele Künstler zu gesellschaftlichen Interventionen veranlasste, wie man
an der Arbeit von Suzanne Lacy und Leslie Labowitz-Starus „In Mourning
and in Rage“ von 1977 sieht, einer vielbeachteten, auf den Stufen des
Rathauses aufgeführten Protestperformance.
„Greetings from L.A.“
bietet einen neuen Blick auf die Kunst in Südkalifornien, indem sie
zeigt, wie Künstler dieser Region die konventionellen Beziehungen
zwischen Kunst und Publikum änderten und Alternativen für eine
öffentliche Rolle der Kunst und ihren Platz in der Gesellschaft
entwickelten.
Die Ausstellung gibt Einblicke in einige erst
kürzlich erworbenen Archive wie die von Betty Asher, Hal Glicksman,
George Herms, Wolfgang Stoerchle, des Magazins „High Performance“, der
Galerien von Rolf Nelson, Mizuno und Jan Baum sowie in die Papiere von
Charles Brittin und Edmund Teske. Ergänzt werden diese durch Material
aus Archiven, die nicht immer mit Südkalifornien in Verbindung gebracht
werden, wie die Papiere der Kunstkritiker Irving Sandler, Barbara Rose
und Lawrence Alloway aus New York, der Gründerin und Kuratorin des New
Museum Marcia Tucker sowie der Kasmin Gallery in London.

Dritter Teil: Julius Shulman
Der
letzte Teil der Berliner Ausstellung zeigt über 50 Fotografien von
Julius Shulman – dem bedeutendsten Architekturfotografen der
amerikanischen Nachkriegsfotografie. Mehr als dreißig Jahre
fotografierte er Häuser der Moderne, von Richard Neutra, Frank Lloyd
Wright, Frank Gehry – viele machte er dadurch zu Ikonen der Architektur.
Die Ausstellung zeigt Schlüsselwerke seines Schaffens.
Liste der beteiligten Künstler
Peter
Alexander, John Altoon, Chuck Arnoldi, John Baldessari, Larry Bell,
Billy Al Bengston, Karl Benjamin, Ed Bereal, Tony Berlant, Wallace
Berman, Marjorie Cameron, Cameron, Vija Celmins, Judy Chicago, Mary
Corse, Ronald Davis, Richard Diebenkorn, Laddie John Dill, Melvin
Edwards, Frederick Eversley, Lorser Feitelson, Llyn Foulkes, Sam
Francis, Joe Goode, Robert Graham, Frederick Hammersley, George Herms,
David Hockney, Stephan von Huene, Craig Kauffman, Edward Kienholz, Helen
Lundeberg, John Mason, Allan McCollum, John McLaughlin, Ron Miyashiro,
Ed Moses, Lee Mullican, Bruce Nauman, Helen Pashgian, Ken Price, Noah
Purifoy, Ed Ruscha, Betye Saar, Henry Takemoto, DeWain Valentine, Gordon
Wagner, Norman Zammitt